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Was ist Legal Tech?

  • von Tübingen Legal Tech
  • 29 März, 2019

Wird Legal Tech die Arbeit der Juristen ersetzen - werden in Zukunft viel weniger Juristen eingestellt? Und was ist das eigentlich, dieses Legal Tech?

Fragen dieser Art stellen sich Studenten aktuell. Eine Begriffserklärung:


Wer in der letzten Zeit die Fachpresse in den Bereichen Recht, aber auch Wirtschaft oder IT verfolgt hat, stolpert früher oder später über den Begriff Legal Tech. Es gibt inzwischen eine Vielzahl an Initiativen und Vereinen, die sich hiermit beschäftigen. 

Was aber hat es mit diesem Anglizismus und der gesamten Thematik auf sich?

Wenn man mit dem Begriff Legal Tech das erste Mal konfrontiert wird, erscheint es naheliegend, ihn zunächst einmal ins Deutsche zu übersetzen, wo er so viel wie „Rechtsdienstleistungen durch Technologie“ oder „Rechtsinformatik“ bedeutet. 

 

Müssen Juristen Programmieren lernen?

Darf man sich also einen Anwalt vorstellen, der im Halbdunkel mit bleichem Gesicht Codezeilen schreibt, wie in einem schlechten Hacker-Film? Oder muss man als Mandant bald damit rechnen, statt eines Juristen, einem „Roboter in Robe“ gegenüberzusitzen? 

Um etwas Licht ins Dunkel zu bringen, versuchen wir uns in diesem Beitrag deshalb an einer Eingrenzung dieses, bisher im Übrigen noch nicht eindeutig definierten Begriffes.

 

Die 3 Stufen von Legal Tech

In einer weit gefassten Auslegungsweise könnte man unter den Begriff Legal Tech alles fassen, was die Digitalisierung im Bereich des Rechts und juristischer Arbeitsprozesse betrifft.

Dies beginnt bei einfachen Dingen wie juristischen Datenbanken, Social-Media Auftritten von Kanzleien, E-Mail-Verkehr mit Mandanten, etc. Diese erste, sanfte Stufe von Legal Tech ist heutzutage so alltäglich, dass sie nahezu zum Selbstverständnis wird. Aber erst vor ein paar Jahrzehnten musste man beispielsweise seine Urteile noch auf dem Papier zusammentragen.

Natürlich geht Legal Tech heute weiter. Die nächste Stufe unseres Verständnisses dieses Begriffes stellen sämtliche Dienste dar, die, seien sie lokal oder online, juristische Arbeitsabläufe erleichtern oder sogar (in Teilen) übernehmen können. Das Spektrum reicht hier von Generatoren für alle denkbaren Arten von Verträgen über die digitale Kanzleiorganisation (so seien beispielsweise digitale Akten oder das recruiting über Online Dienstleister genannt), bis hin zu Webseiten für die Durchsetzung von Verbraucherrechten. Täglich kommen hier neue Lösungen und Entwicklungen hinzu, die Digitalisierung des Rechts schreitet in einem enormen Tempo voran, sodass es sich lohnt die Entwicklung im Auge zu behalten.

Wenn man nun, als die dritte Stufe dieser Begriffsbestimmung, also den Blick in die mögliche Zukunft wagen möchte, stechen insbesondere zwei Thematiken hervor: Die Blockchain und das Thema „Machine Learning“, bzw. künstliche Intelligenz.

 

Zukunftstechnologien

Die Blockchain ist wohl über den Hype rund um den Bitcoin zu Popularität gelangt. Sie bietet, stark vereinfacht gesagt, die Möglichkeit, Transaktionen direkt, sicher und Transparent abzuwickeln, ohne dass es dafür eine Kontrollinstanz benötigt. Dies könnte zu sogenannten „Smart Contracts“ führen, sodass etwa Banken in Zukunft an Bedeutung verlieren würden, aber auch andere Geschäfte einfacher, günstiger und schneller abgewickelt werden können.Darüber hinaus könnte durch den Aufbau der Blockchain bei Daten festgestellt werden, ob und wann diese verändert wurden, sodass sich digitale Besitzrechte nachvollziehen lassen und Kopien eindeutig erkennbar werden.

Künstliche Intelligenz bietet bereits heute, wenn auch bislang in sehr beschränkten Maßen, die Möglichkeit mithilfe von Big Data durch Algorithmen einfache Sachverhalte auszuwerten. Hier besteht unter Umständen das Potential, einmal simplere Aufgaben des juristischen Alltagsgeschäftes von technischen Lösungen schnell und zuverlässig lösen zu lassen. 

 

Fazit

Hier bieten sich also enorme Chancen, die auf der anderen Seite allerdings auch Ängste schüren, dass die heutigen Juristen einmal durch empathielose, rational-berechnende Maschinen ersetzt werden könnten. Gerade wegen dieser Fähigkeit des Menschen, im konkreten, so noch nie dagewesenen Einzelfall eine (sach)gerechte Lösung zu finden, sind diese Sorgen aber wohl unbegründet. 

Dennoch wird auch die ethische Einordnung von Legal Tech in der Zukunft zu diskutieren sein. Da jetzt geklärt sein dürfte, was man unter Legal Tech verstehen darf, ist die Grundlage für ein weiteres Eintauchen in dieses interessante Thema gelegt und wir freuen uns darauf, diese und weitere Diskussionen mit jedweden Interessierten zu führen.



Der Artikel wurde von Tobias verfasst.

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