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Legal Tech - wie mans einfach macht: TLT zu Gast bei FPS

  • von Tobias Stephan
  • 30 Juli, 2019

 Legal Tech – wie man‘s einfach macht.

So lautete der Titel der Young Professionals Lecture der Kanzlei FPS, die am 04.07. stattfand. Ich persönlich habe, seit ich mich mit dem Thema Legal Tech auseinandersetze, nicht unbedingt den Eindruck gehabt, dass es sich hierbei um ein besonders einfaches Thema handelt. Interessant, innovativ, ja, aber einfach wäre nicht das Adjektiv, das ich mir herausgesucht hätte. Umso mehr war nun aber mein Interesse geweckt, sodass ich mich anmeldete.

Das Event sollte in den Kanzleiräumen in Frankfurt stattfinden, das bedeutete für mich also eine zweieinhalbstündige Anfahrt. Soweit zumindest der Plan. Denn bereits vor Stuttgart stand ich das erste Mal im Stau, sodass sich die Fahrtzeit am Ende auf etwa vier Stunden erhöht hatte, was leider auch bedeutete, dass ich eine halbe Stunde zu spät dran war. Quasi als Ausgleich dafür durfte ich nach einem Telefonat mit der Kanzlei netterweise im Innenhof parken, sodass ich keine weitere Zeit verlor.

Leider verpasste ich dennoch den Anfang des Vortrags, der von Partner und Chief Digital Officer der Kanzlei, Florian Wiesner, sowie Legal Engineer Marvin Fechner gemeinsam gehalten wurde. Zumindest das, was ich trotz Verspätung und mit Examensstoff überfrachtetem Hirn hiervon behalten konnte, möchte ich euch nun gerne wiedergeben (ohne dabei jedoch einen Anspruch auf Vollständigkeit erheben zu wollen).

Zunächst ging es darum, Legal Tech in die Kanzlei zu implementieren. Hier wurde das Mindset der Anwälte angesprochen: Wir Juristen sind nicht gerade dafür bekannt, besonders innovationsfreudig zu sein. Dies führt dazu, dass unsere Branche, was die Digitalisierung anbelangt, weit hinter anderen Branchen zurück liegt. Auf der anderen Seite stellt Legal Tech zunächst eine Investition für die Kanzleien dar, die sich nicht unmittelbar in abrechenbaren Stunden und damit einer Erhöhung des Umsatzes auswirkt, sodass sich für diese die Frage stellt, weshalb diese getätigt werden sollen. Damit Legal Tech in Kanzleien wirklich Erfolg hat, muss dies in den normalen Arbeitsalltag integriert werden können, um nicht zu einer zu hohen weiteren Belastung der ohnehin schon durchaus ausgelasteten Juristen zu führen. Weiter müssen die, wie gesagt, von Veränderung nicht unbedingt besonders begeisterten Juristen, motiviert werden. Dies geschieht am einfachsten, wenn Legal Tech Spaß macht. Wann aber ist das der Fall?

Dann, wenn klar spürbar ist, dass das neu erlernte und angewendete einen wirklichen Vorteil für die eigene Arbeit bringt. Und dies am besten jetzt, statt in einigen Monaten oder sogar Jahren. Wie dies konkret vonstatten gehen kann, sollte der zweite Teil des Vortrages zeigen.

Um Legal Tech entsprechend gerecht zu werden, muss aber weiter gedacht werden. Gerade aus anderen, in der Digitalisierung schon weiter fortgeschrittenen Branchen können wir hierbei lernen. Insbesondere der Begriff Design Thinking spielt hierbei eine wichtige Rolle. Auch aus wirtschaftlicher Perspektive wird sich mit dem Fortschreiten der Digitalisierung die Frage stellen, ob das aktuell von den Anwälten präferierte Modell, auf Stundensatzbasis abzurechnen, auf Dauer Erfolg haben wird (ein ähnlicher Gedanke war auch in unserem Stammtisch geäußert worden – siehe dazu den entsprechenden Blog-Artikel). Denn mit dem technischen Fortschritt ändert sich auch die Erwartungshaltung der Mandanten. Diese sind nicht mehr bereit für Standardarbeiten (die der Anwalt angeblich ohnehin in der Schublade liegen hat) horrende Stundensätze zu bezahlen.  

Nun folgten die Beispiele, wie Legal Tech bei FPS heute bereits verwendet wird:

Los ging es mit der von FPS verwendeten Diktiersoftware, die den Anwälten ermöglicht, in Echtzeit Schriftsätze vom gesprochen Wort zu Text zu transkribieren (wie Siri, Cortana und Co. – nur sicher), ohne diese selbst zu tippen und damit auch den ersten Anwendungsfall bietet, in dem Digitalisierung den Anwälten auf eine simple, aber direkt verwendbare Art und Weise das Leben erleichtert.

Weiter ging es mit der Vorstellung eines Tools, das Verträge scannt und die verschiedenen Klauseln erkennen und zuordnen kann. Dies ermöglicht es, in einem zweiten Schritt die Software zu befähigen, die Klauseln darauf zu überprüfen, ob Sie für den Mandanten bspw. „gut“ oder „schlecht“ sind, bzw. ob diese unter Umständen sogar gegen das Recht verstoßen und damit ungültig werden. Denkt man diesen Prozess weiter, könnte die Software, eine hohe Genauigkeitsquote vorausgesetzt, dann aus ihren Ergebnissen direkt einen Bericht verfassen und somit viele Arbeitsstunden einsparen. Problematisch ist allerdings, dass diese Entwicklung noch nicht soweit ist, dass Sie vollständig fehlerfrei funktioniert. Dennoch wurde hier eine vielversprechende Entwicklung in Gang gesetzt.

Weiter ging es um Vertragsautomatisierung. Das dahinterstehende Prinzip haben wir bereits in unserem Bericht über das Tech & Law Camp in Hamburg erläutert. Im Unterschied zu damals, wurde die Software hier jedoch zu einem neuen Geschäftsmodell. Sie soll nämlich nicht vom Anwalt selbst verwendet werden, der dann lediglich die gleiche Arbeit schneller (und damit für weniger Geld) anbietet. Vielmehr soll der Kunde für einen Festpreis die einfach verständlichen Fragen eigenständig mit den von ihm gewünschten Informationen ausfüllen und damit ein Muster erstellen. Dieses schaut der Anwalt noch einmal an und stellt es dem Mandanten dann, innerhalb sehr kurzer Zeit und zu deutlich geringeren Kosten, zur Verfügung. Der enorme Vorteil ist hier, dass das Tool auch von mehreren Mandanten gleichzeitig benutzt werden kann, was zu einem erhöhten Umsatz beim Anwalt führen kann.

All diese technischen Neuerungen müssen aber nicht nur entwickelt, sondern im Optimalfall auch tatsächlich von den Juristen eingesetzt werden. Da Legal Tech zumindest bislang noch kein Bestandteil der juristischen Ausbildung ist und die meisten sich auch nicht unbedingt in ihrer Freizeit damit beschäftigen (der/die Leser/in dieses Textes sticht also bereits jetzt positiv aus der Masse heraus), muss eine Wissensvermittlung stattfinden. Auch hierbei kann die Digitalisierung helfen. Statt die Anwälte auf teure und langweilige Seminartage zu schleifen, wurde schlichtweg eine eigene E-Learning-Plattform entwickelt. So können Leerzeiten genutzt werden und bei Bedarf auch einfach nochmals das ein oder andere wiederholt werden – was tatsächlich den einfacheren Weg darstellt.

Im Anschluss an den Vortrag gab es nun noch ein Get-Together, bei dem man sich bei kleinen Erfrischungen mit den Anwälten und Mitarbeitenden der Kanzlei sowie den übrigen Teilnehmenden austauschen konnte, und das einen gelungenen Ausklang des Abends darstellte.


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